LPG-Direkteinspritzer – Prins Liqui Max 2.0, Vialle LPdi und Icom JTG HP

Autogasanlage mit LPG Direkteinspritzung

Gasanlagen-Entwicklung - Von den Anfängen bis heute

Von den ersten Gasanlagen bis heute hat ein enormer technischer Fortschritt stattgefunden. Auf dem Weg zur modernen Gasanlage gab es jedoch auch zahlreiche Fehlschläge zu verzeichnen. Unausgereifte Technik, fehlende Fachkenntnis und mangelnde Erfahrung sind die häufigsten Ursachen, wenn die Gasanlage oder der Motor versagt.

 

Gasanlagen mit Verdampfer – Entwicklung der Autogastechnik

Hersteller von Gasanlagen gibt es viele. Ein Großteil der Produzenten baut einfache Gasanlagen mit Verdampfer Technik. Dabei wird gasförmiges LPG im Saugrohr entweder per Venturitechnik oder mit regulierbaren Gasdüsen der Ansaugluft beigemengt. Im Gegensatz zur Venturitechnik, bei der das Gas über den Unterdruck des Motors angesaugt wird, entspricht eine vollsequentielle Gasanlage mit regulierbaren Gasdüsen schon eher dem heutigen Stand der Autogastechnik. Über ein separates Steuergerät, welches die Signale der Lambdasonde ausliest, kann die Gasmenge deutlich besser variiert werden. Dadurch wird eine exakte Einstellung des Kraftstoff-Luftgemisches ermöglicht, was wiederum zum ruhigen Lauf und zur längeren Haltbarkeit des Motors beiträgt.


LPG-Anlagen mit Flüssiggas-Einspritzung

Nur eine kleine Anzahl der Hersteller hat sich auf die Autogastechnik mit Flüssiggas-Einspritzung spezialisiert. Die Gasanlagen Hersteller Vialle und Icom gehören zu den Pionieren dieser Autogasanlagen der 5. Generation. Dabei unterscheidet sich jedoch das LPI System von Vialle in einem Aspekt deutlich von der Icom JTG Gasanlage. Während Vialle eine aufwändige Steuerung mittels eines speziell optimierten Kennfeldes für den Gasbetrieb verwendet, nutzt die Icom Gasanlage das Steuergerät im Wesentlichen nur für die Umschaltung von Benzin auf LPG. Die Icom JTG verwendet die originalen Einspritzsignale des Motors und leitet sie an die Gasinjektoren weiter. Die Einstellung der Gasmenge erfolgt über die Kalibratoren, welche als Drossel fungieren und nur eine gewisse Menge an Gas durch die Injektoren hindurch lassen. Um einen Magerlauf zu verhindern, wird 20% mehr LPG als Benzin eingespritzt, was dem Äquivalent des geringeren Heizwertes von Autogas entspricht.     

 

Direkteinspritzer trifft Verdampfer – Moderner Motor mit alter Gasanlage

Von dem Boom des letzten Jahrzehnts ist die Autogas-Branche heute weit entfernt. Viele Experten machen diese Entwicklung besonders am günstigen Benzinpreis fest. Dabei übersehen die Fachleute, dass auch zum Anfang, als die Zahl der LPG-Autos noch stetig stieg, der Benzinpreis nicht höher lag als heutzutage. Die Gründe für die Krise sind vielfältig. Durch die Profitgier einiger Hersteller und Umrüster leidet die gesamte Branche bis heute. Fehlerhafte Technik und mangelnde Erfahrung waren der Grund dafür, dass sich viele Fahrzeughalter von Ihrem LPG-Auto trennten. Darüber hinaus wurden mit der Euro 5 und Euro 6 Norm neue Anforderungen an die Autohersteller gestellt, was wiederum auch Auswirkungen auf die LPG-Branche hatte. Die Entwicklung mündete in einer neuen Motorengeneration – den Benzin-Direkteinspritzern. Anders als bei der Generation zuvor, wurde von nun an der Kraftstoff nicht mehr in das Saugrohr, sondern direkt in den Motor eingespritzt. Auf diese technische Neuerung hatten die Gasanlagen Hersteller zunächst keine adäquate Antwort. Mit der Zeit fanden die Hersteller eine Möglichkeit, mit Hilfe der alten Verdampfer-Technik die Direkteinspritzer umzurüsten. Ein reiner LPG-Betrieb war somit nicht möglich. Schließlich musste das LPG-Auto mit Benzin gestartet und erst einige Kilometer gefahren werden, bevor es in den Autogas-Betrieb umschalten konnte – und selbst dann, war eine Fahrt mit 100 Prozent LPG nicht möglich. Während des Betriebs mussten die Benzininjektoren ständig mit Benzin durchströmt und gekühlt werden, damit sie nicht im LPG-Betrieb zu Schaden kamen. Darüber hinaus kann nur ein kleiner Teil der Fahrzeuge umgerüstet werden.

 

Die Gasanlage der 6. Generation mit Flüssiggas-Direkteinspritzung

Wenn es um eine moderne Gasanlage mit Direkteinspritzung geht, lichtet sich das Angebot möglicher Autogasanlagen erheblich. An die komplexe Autogastechnik wagen sich nur sehr wenige Gasanlagen Hersteller heran. Zu den Herstellern gehören zurzeit lediglich Icom mit der JTG HP Gasanlage, Prins mit der Liqui Max 2.0 und Vialle mit der LPdi Autogasanlage. Jedoch erfüllen nicht alle die gestellten Anforderungen. Schließlich muss bei einer Gasanlage mit LPG-Direkteinspritzung nicht nur die Technik beherrscht werden. Die Gasanlage muss auch kompatibel zu einer Vielzahl verschiedener Hochdruckkomponenten der unterschiedlichsten Autohersteller sein. Gerade die ab Werk verbaute Hochdruckpumpe bereitet dabei vielen Gasanlagen große Probleme. Des Weiteren werden bei allen zurzeit erhältlichen Gasanlagen mit Direkteinspritzung aufwändige Modifikationen bzw. Manipulationen an der Sensorik des Fahrzeuges vorgenommen, damit der Motor des LPG-Autos nicht zu wenig Kraftstoff erhält und somit zu mager läuft. Das nächste Problem besteht beim Thema Zulassung. Dabei nehmen es nicht alle Hersteller der so genau und können somit nicht für alle Komponenten eine 67R-01 Zulassung vorweisen. Mitunter fehlt sogar bei der Icom JTG HP Gasanlage die gesamte Zulassung für das LPG-System.

 

Gasanlagen für direkteinspritzende Motoren von Prins und Vialle

Betrachtet man alle Faktoren bleiben zum Schluss lediglich zwei Autogasanlagen übrig. Die Prins Liqui Max 2.0 und die Vialle LPdi erfüllen zumindest zum Teil die gestellten Anforderungen an eine moderne Gasanlage für einen Direkteinspritzer. Dabei bleiben auch hier Fragen offen. Ist eine OBD-Diagnose beim LPG-Auto weiterhin möglich, wie es die UN ECE R115 vorschreibt? Was passiert nach dem routinemäßigen Update des Steuergerätes beim nächsten Werkstatt-Termin? Ist daraufhin ein sicherer Betrieb mit Autogas weiterhin möglich? Weiterhin bleibt die Frage nach der Verfügbarkeit. Schließlich hat bislang nur ein kleiner Teil aller erhältlichen Fahrzeuge eine R115 Zulassung für die Vialle LPdi bzw. die Prins Liqui Max 2.0 bekommen. Somit sind auch nur für ausgewählte Fahrzeuge Abgasgutachten verfügbar. Und zu guter Letzt bleibt natürlich noch die Frage der Fragen – was kostet der Spaß? Hier vergeht nämlich den meisten Interessenten die Lust am Autogas. Schließlich gibt es nur wenige Idealisten, die eine Gasanlage der Umwelt zuliebe fahren. Der mit Abstand größte Teil möchte günstig von A nach B kommen und an der Tankstelle für etwa 50 Cent LPG tanken. Wenn allerdings die Anschaffungskosten alle Rahmen sprengen, kommt auch der größte Sparfuchs nicht auf seine Kosten! Prins möchte mit der neuen Liqui Max 3.0 Gasanlage dem Abhilfe schaffen und denkt über einen günstigeren Einstieg in die Welt der LPG-Direkteinspritzung nach!

 

Autogasanlage der 7. Generation

Während einige Hersteller noch an der Realisierung der 6. Generation arbeiten, sind andere bereits einen Schritt weiter. Die Gasanlage der 7. Generation soll endlich sämtliche Erwartungen erfüllen und eine bezahlbare, technisch beherrschbare und wartungsarme Autogasanlage für Direkteinspritzer bieten. Bis zur endgültigen Marktreife kann jedoch noch einige Zeit vergehen. Schließlich ist die Entwicklung einer vollkommen neuen Gasanlage ein sehr komplexes Vorhaben, was eine Aussage über einen verbindlichen Termin zum Marktstart unmöglich macht.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Ernesto Calanto (Montag, 22 August 2016 13:49)

    Sehr interessanter Beitrag,

    leider kann ich bei allen Anlagen nur sagen, dass diese nie vernünftig laufen, jede hat immer irgendwelche Proböleme! Aus diesem Grund werde ich weiterhin mit Benzin fahren solangwe bis jemand sich mal endlich ernsthaft mit der Thematik beschäftigt und ein zuverlässiges System anbietet.

    E.C.

  • #2

    Is (Dienstag, 23 Mai 2017 21:59)

    Ich kann dem Vorschreiber absolut nicht zustimmen. Fahre einen Mercedes V8 mit einer BRC Anlage seit sage und schreibe 180.000 km ohne einen einzigen Defekt im System!!
    VG